Erfreuliche Entwicklungen in Togo

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Fairer Handel Einblicke
Kakaoernte 2018

Die Kakaoernte eines Dorfes in Togo. Bis hieraus exportfähige Kakaobohnen werden, dauert es noch eine ganze Weile. Die Bauernfamilien müssen die Früchte öffnen, Fruchtfleisch und Bohnen herausnehmen, fünf bis sechs Tage lang fermentieren, ein bis zwei Wochen in der Sonne trocknen lassen und anschliessend drei Mal sortieren.

Für gebana Togo neigt sich ein erfolgreiches Jahr seinem Ende zu: Kakao von mehr Bäuerinnen als je zuvor und einige spannende neue Kunden, die Verträge unterzeichneten. Die Neukunden kamen vor allem wegen einer EU-Regulierung, die im Januar 2019 in Kraft trat.

"Kakao gewinnt an Bedeutung in Togo", sagt Michael Stamm während eines Telefonats Mitte November.

Michael ist Teil unseres Entwicklungsteams, lebt mit seiner Familie in Togo und arbeitet eng mit unserer Tochterfirma gebana Togo zusammen.

Laut Michael ist der ganze Kakaomarkt in Bewegung. Die Menschen würden mehr über Nachhaltigkeit sprechen, von Transparenz. Sie seien sich mehr und mehr bewusst, was auf dem Markt vor sich geht, und sie wollen Rückverfolgbarkeit, sagt er.

Für gebana Togo, für uns, ist das eine gute Nachricht. Schliesslich versuchen wir jeden Tag, genau das zu erreichen, nachhaltiger zu arbeiten, transparenter und vertrauenswürdiger zu sein.

Glück beim Wetter bis zur Ernte

Im Jahr 2019 kamen mehrere Entwicklungen zusammen, die uns dabei helfen, dieses Ziel zu erreichen. Einerseits hatten die Bauern Glück mit dem Wetter und brachten eine sehr gute Ernte ein. Nur am Ende der Erntezeit gab es einen kleinen Rückschlag: später Regen.

Wenn es spät während der Ernte zu regnen beginnt, dauert es länger bis die Kakaobohnen verkaufsfertig sind. Denn die Bauernfamilien in Togo lassen sie an der Sonne trocknen. Regen bedeutet keine Sonne, bedeutet feuchte Bohnen und das ist nicht gut. Aber Michael bleibt optimistisch, dass am Ende dennoch alles gut ausgehen wird.

Eine weitere erfreuliche Entwicklung begann bereits im Jahr 2014. Damals erliess die EU-Kommission die Regulierung (EU) 488/2014, die darauf abzielte, die Cadmiumbelastung von Kakao zu reduzieren.

Kakao und damit auch Schokolade haben die Tendenz, mit Cadmium kontaminiert zu sein. Die Verunreinigung beginnt schon lange vor der Ernte: Die Kakaobäume nehmen das Cadmium aus dem Boden auf und lagern es in ihren Früchten ein.

Das Problem betrifft vor allem Kakao aus Lateinamerika. Dort sind die Böden von Natur aus stärker mit Cadium belastet, wie Michael erklärt. Kakao aus Westafrika habe hingegen kaum Probleme mit zu hohen Cadmiumwerten.

EU-Regulierung treibt neue Kunden nach Westafrika

Die EU-Regulierung ist seit Januar 2019 in Kraft. Den Produzenten in Lateinamerika, welche die Cadmium-Kontamination nicht unter Kontrolle bekommen haben, fällt es seither schwer, Kunden für ihren Kakao zu finden. Viele Firmen, die ihren Kakao bisher in Lateinamerika kauften, kommen nun nach Westafrika.

Tatsächlich ist die Nachfrage nach Kakao aus Westafrika so sehr gestiegen, dass gebana Togo wählerisch sein kann, wie Michael sagt. "Wir können uns aussuchen, wem wir unseren Kakao verkaufen wollen. Wir arbeiten nur mit jenen Kunden zusammen, die unsere Vision teilen und unsere Regeln akzeptieren."

Unsere Regeln heisst, dass diese Kunden damit einverstanden sein müssen, Sendungen mit mindestens 60 Prozent vorzufinanzieren und einen langfristigen Vertrag zu unterzeichnen.

Aus der Gruppe der Firmen, die jetzt Kakao aus Westafrika kaufen wollen, wählte gebana Togo bereits einige aus. Eine davon ist die deutsche Firma GEPA. Sie ist der grösste europäische Importeur von fair gehandelten Lebensmitteln und handwerklichen Produkten aus dem Süden.

Eine weitere ist Equal Exchange, ein US-amerikanisches Unternehmen, das Bio-Kaffee, Tee, Zucker, Bananen, Avocados, Kakao und Schokoladenriegel vertreibt, die von Bauerngenossenschaften in Lateinamerika, Afrika und Asien hergestellt werden.

"Sowohl GEPA als auch Equal Exchange haben unseren Bedingungen zugestimmt", sagt Michael. Die beiden Unternehmen kaufen rund 170 Tonnen Bio-Kakao und werden dies auch in den kommenden Jahren tun. Die Geschichte endet hier aber nicht.

Grosser Neukunde aus Italien

Am Telefon klingt Michael jetzt aufgeregt. Es gebe da einen dritten Neukunden, sagt er. Einen, der sich nicht um Zertifizierungen kümmere.

Warum sollte gebana an ein solches Unternehmen verkaufen? "Unsere und ihre Werte decken sich auf ganzer Linie", sagt Michael.

Das Unternehmen heisst Altromercato und ist das grösste alternative Handelsnetzwerk Italiens. Ursprünglich aus einer Kooperative entstanden, entwickelte sich Altromercato zu einem Konsortium von Weltläden. Es umfasst mehr als 118 Verbände und Kooperativen in ganz Italien und unterhält Beziehungen zu 155 Produzenten in über 45 Ländern. Altromercatos Ziel ist eine transparente und rückverfolgbare Lieferkette, die Produzenten, Umwelt und Produktqualität schützt.

Kein Wunder, dass Michael gerne an diesen Kunden verkauft. Ihre Werte stimmen wirklich mit unseren überein, und wir beide setzen uns für eine transparentere Lieferkette ein, für Rückverfolgbarkeit bis zum Bauern und für höhere Prämien für die Bauernfamilien.

Wir könnten hier aufhören und all die guten Nachrichten geniessen. Aber es gibt noch etwas, das Michael gerne teilen möchte.

Neue Kooperative bringt mehr Frauen in die Landwirtschaft

In Westafrika, insbesondere in Togo, wird der Boden für die Landwirtschaft traditionell den Männern überlassen. Vom Vater zum Sohn. Über Jahrhunderte hinweg blieb dies unverändert. Deshalb gibt es nicht sonderlich viele Bäuerinnen.

Die beiden Genossenschaften, mit denen gebana Togo in den letzten Jahren zusammenarbeitete, Scoops procab und Scoops ikpa, haben nach Schätzungen von Michael maximal 3 Prozent weibliche Mitglieder.

Das ändert sich jetzt. Eine Frau aus Agou, die ursprünglich aus der Schweiz kommt, gründete dieses Jahr eine neue Kooperative namens Scoops kekeli. Im Vergleich zu den anderen Genossenschaften ist diese noch sehr klein mit nur 100 Mitgliedern. Sie können etwa 67 Tonnen Kakao pro Jahr liefern. Aber 30 dieser Mitglieder sind Frauen! Und ihr Ziel ist es, diese Zahl zu erhöhen.

Für Michael ist das ein guter Anfang. "Ich bin überzeugt, dass die Frauen in Togo viel besser mit Bargeld umgehen können als Männer. Die Männer neigen dazu, das Geld in die Bars zu bringen und Alkohol zu kaufen, statt es im Interesse ihrer Familien zu verwenden", sagt er.

Wir selbst kaufen ebenfalls Kakao von gebana Togo und lassen ihn von Felchlin zu feinster Milch- und Zartbitterschokolade verarbeiten.